Ein Werkstatt-Bericht aus der Liststraße: wie Siebdruck bei uns wirklich abläuft, wann er sich rechnet, und welche Druckvorlagen-Macke uns jeden Monat ein paar Stunden kostet.
Autor: Eduard, PRISHIRT GmbH in Karlsruhe
Lesezeit: rund 8 Minuten
Warum Siebdruck bei uns immer noch das Arbeitspferd ist
Wenn Leute in unsere Werkstatt kommen, fragen sie oft als Erstes, ob wir „noch Siebdruck“ machen – so, als wäre das ein Verfahren aus dem letzten Jahrhundert, das langsam ausstirbt. Die ehrliche Antwort: Der Großteil unserer B2B-Aufträge läuft genau darüber. Und das hat einen Grund.
Siebdruck ist alt, ja. Aber alt heißt hier ausgereift. Die Maschinen sind robust, die Farben sind chemisch bestens verstanden, und sobald die Stückzahl stimmt, schlägt das Verfahren so ziemlich alles, was es sonst noch gibt – DTF, Direktdruck, Transfer. Bei Aufträgen ab 50 Stück ist das oft gar keine knappe Entscheidung.
Was ich euch hier zeige, ist nicht die Wikipedia-Erklärung. Wer den theoretischen Überblick will, findet ihn drüben im Siebdruck-Leitfaden. Hier geht’s um den Werkstatt-Blick: was passiert tatsächlich, wenn dein Auftrag bei uns durchläuft.
Vom Karton bis zum fertigen Shirt – wie das bei uns abläuft
Die Grundidee ist simpel: Farbe wird durch ein feines Gewebe – das „Sieb“ – aufs Textil gedrückt. Die Stellen, an denen keine Farbe durchsoll, sind im Sieb verschlossen. Für jede Farbe brauchen wir ein eigenes Sieb. Das ist auch der Grund, warum Mehrfarbendrucke aufwändiger werden – aber dazu gleich mehr.
Wer’s lieber sieht statt liest: Hier ist der komplette Durchlauf in unserer Werkstatt.
Ein typischer Auftrag bei uns sieht so aus: Morgens kommt die Rohware palettenweise an – T-Shirts, Hoodies, Polos, je nachdem. Die Kartons werden geöffnet, die Shirts nach Größen sortiert und bereitgelegt. Klingt banal, ist aber wichtig, weil danach niemand mehr Zeit hat, in 800 Shirts nach einer falsch einsortierten Größe zu suchen.
Parallel läuft die Datenaufbereitung. Eure Druckdatei wird in einzelne Farbebenen zerlegt – jede Farbe bekommt am Ende ein eigenes Sieb. Diese Siebe werden beschichtet, das Motiv wird draufbelichtet, und dann wird das, was später Farbe abbekommen soll, ausgewaschen. Das ist Chemie und Handwerk gleichzeitig, und wenn dabei was schiefgeht, merkt man’s spätestens an der Maschine.
Womit wir bei der Maschine wären. Wir drucken auf einer M&R Sportsman 8/6 – einem industriellen Karussell mit acht Farbplätzen und sechs Druckstationen. Die Siebe werden eingespannt, ausgerichtet (das nennt sich Passer, und das ist die Stelle, an der man entweder genau arbeitet oder sich später ärgert), und dann startet der Druck.
Die Maschine dreht sich, die Textilien sitzen auf den Druckpaletten, und mit jeder Umdrehung wird eine weitere Farbe aufgetragen. Anschließend laufen die Shirts durch den Trocknungstunnel bei mindestens 160 °C. Erst da geliert die Plastisolfarbe und verbindet sich richtig mit dem Stoff – wer den Schritt unterschätzt, dem rubbelt sich der Druck nach drei Wäschen vom Shirt.
Was die Sache wirtschaftlich macht: Sobald die Einrichtung steht, druckt die Maschine in einer Stunde mehrere hundert Textilien sauber durch. Die Einrichtung dauert lange, der Druck selbst geht schnell. Und genau deswegen lohnt sich Siebdruck erst ab einer gewissen Stückzahl.
Drei Farbsysteme, drei Anwendungsfälle
Nicht jeder Druck soll sich gleich anfühlen. Wir arbeiten je nach Auftrag mit drei verschiedenen Farbsystemen, und welches davon das richtige ist, hängt fast immer am Textil und am Anspruch des Kunden.
Plastisol ist unser Brot-und-Butter-System. Sehr deckend, leuchtet auch auf dunklen Stoffen, hält ewig, ist bei 60 °C wäschebeständig. Wenn ein Kunde nichts Spezielles vorgibt, ist Plastisol das, womit wir drucken.
Wasserbasierte Farben nehmen wir, wenn der Druck weicher daherkommen soll – wenn ihr das Shirt anziehst und den Druck kaum noch spürt. Das ist gerade bei Bio-Textilien gefragt, weil die Zertifizierungen oft wasserbasierte Farben verlangen. Etwas weniger Deckkraft als Plastisol, dafür angenehmer im Tragegefühl.
Discharge, der sogenannte Ätzdruck, ist das spannendste Verfahren von den dreien. Statt die Druckfarbe oben aufzulegen, ätzen wir die ursprüngliche Textilfarbe weg und ersetzen sie. Das Ergebnis: Der Druck verschwindet praktisch komplett im Stoff, man fühlt nichts. Sieht extrem hochwertig aus, funktioniert aber nur auf reaktiv gefärbter 100 % Baumwolle – auf einer Polyestermischung kann man’s vergessen.
Markenfarben nach Pantone oder HKS mischen wir nach Vorgabe. Wenn ihr ein konkretes CI-Rot, ein bestimmtes Firmen-Blau braucht – kein Problem, das ist bei uns Routine, kein Zauberkunststück.
Ab wann lohnt sich das überhaupt?
Die kurze Antwort: Unsere Mindestmenge im Siebdruck liegt bei 50 Stück.
Die längere Antwort hängt ein bisschen daran, wie viele Farben dein Motiv hat. Bei einem ein- oder zweifarbigen Logo lohnt sich Siebdruck praktisch immer ab dieser Mindestmenge – da geht nichts drüber. Bei drei bis fünf Farben wird’s ab etwa 100 Stück richtig wirtschaftlich, weil die Einrichtungskosten pro Sieb wieder rausgespielt werden müssen.
Wer mit sechs oder mehr Farben ankommt – oder mit einem fotorealistischen Motiv – sollte sich beraten lassen. Unsere Maschine kann acht Farben, technisch geht das also. Aber je nach Motiv ist ein hochwertiger Transferdruck dann wirtschaftlicher als ein Sieb-Aufbau mit acht einzeln belichteten Sieben.
Und unter 50 Stück? Da fangen wir das Sieb gar nicht erst an. Für kleine Mengen drucken wir mit unserem ECOTransfer-Verfahren – da gibt es keinen Sieb-Aufwand, und deshalb rechnet sich’s auch bei zehn Shirts.
Konkrete Preise hängen am Textil, an der Druckgröße, an der Farbanzahl, an den Druckpositionen und an der Gesamtmenge. Wenn ihr uns über das Kontaktformular die Eckdaten schickt, habt ihr in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein belastbares Angebot im Postfach.
Warum Siebdruck so lange hält
Ein Kunde brachte uns letztes Jahr ein Shirt zurück – nicht zur Reklamation, sondern als Beweis. Das Shirt war 2018 bei uns gedruckt worden, schätzungsweise 200 Wäschen hinter sich, und der Druck sah aus wie neu. Solche Sachen passieren immer wieder, und sie sind kein Zufall.
Drei Dinge entscheiden über die Lebensdauer eines Siebdrucks. Erstens die Farbe und ihre Aushärtung. Eine Plastisolfarbe, die korrekt durchgeheizt wurde, reibt sich praktisch nicht mehr ab – die Farbe sitzt fest im Stoff, nicht obendrauf. Wenn dagegen am Trocknungstunnel gespart wurde, sieht man’s nach wenigen Wäschen.
Zweitens die Textilqualität. Auf einem 60 g/m²-Werbeshirt vom Discounter hält selbst der beste Druck nicht lange, weil das Textil zuerst aufgibt. Für B2B-Aufträge empfehlen wir mindestens 180 g/m² Baumwolle, und ehrlich gesagt sieht ein 200er-Shirt für ein Firmen-Event einfach hochwertiger aus als ein 140er.
Drittens, das Verhalten in der Waschmaschine. Auf links waschen, maximal 40 °C, nicht in den Trockner. Das gilt für jedes vernünftige Textil, aber es entscheidet eben auch über die Lebensdauer eines Drucks. Wer sein Lieblings-Shirt bei 60 °C mit Vollwaschmittel und Trockner traktiert, darf sich danach nicht wundern.
Der eine Fehler in Druckvorlagen, der uns am meisten Zeit kostet
Wenn ich aus zehn Jahren Werkstatt eines herauspicken müsste, dann genau das hier: Farbebenen, die nicht sauber getrennt angelegt sind.
Klingt technisch, ist aber im Alltag das, was uns regelmäßig eine bis zwei Stunden Nacharbeit kostet. Ein typischer Fall: Ihr schickt uns ein Logo mit drei Farben. Sieht im PDF super aus. Aber die Farbebenen liegen alle übereinander, sind als gerasterte Pixel-Datei angelegt, oder das Vektor-Original wurde irgendwann „platt“ exportiert. Für uns heißt das: Bevor wir überhaupt ein Sieb belichten können, müssen wir das Ganze sauber in einzelne Farbebenen zerlegen. Bei einfachen Logos geht das schnell. Bei komplexeren Motiven sitzt jemand bei uns eine ganze Weile dran.
Wie ihr’s vermeidet? Liefert eine Vektordatei – AI, EPS oder PDF – mit jeder Druckfarbe auf einer eigenen Ebene. Definiert die Farben als Volltöne (Pantone- oder HKS-Werte), nicht als RGB-Mischungen, die später unsere Farbmischung erraten muss. Verläufe und Transparenzen, wenn irgendwie möglich, weglassen – Siebdruck arbeitet mit Volltonfarben, da kann ein weicher Verlauf nicht 1:1 reproduziert werden. Und schickt bitte keinen platten Vektor, in dem alle Ebenen schon zusammengeführt sind.
Wer unsicher ist, was wir genau brauchen, findet eine ausführliche Anleitung in unserem Beitrag zu Vektordateien für den Siebdruck. Oder einfach schicken, was ihr habt – unsere Grafiker schauen kostenlos drüber und sagen euch, ob das so läuft oder nicht.
Drei Aufträge aus unserer Werkstatt
Damit das hier nicht zu abstrakt bleibt, drei Beispiele, die in den letzten Monaten bei uns durch die Maschine gelaufen sind.
Karlsruher Sportverein. 250 Trikots in vier Größen, dreifarbiger Brustdruck mit Vereins- und Sponsorenlogo, Rückennummern als separates Flockverfahren. Lieferzeit zehn Werktage, inklusive Datenaufbereitung. Klassischer Fall: solide Stückzahl, klares Motiv, wiederholbar in den Folgesaisons.
Stadtteilfest in Karlsruhe. 800 Shirts in einer Woche – einfarbiger Großflächendruck vorne und hinten, schwarze Plastisolfarbe auf weißem Bio-Shirt. Sieben Werktage von der ersten Anfrage bis zur Übergabe. Bei solchen Stückzahlen ist Siebdruck nicht nur die wirtschaftlichste, sondern auch die einzige sinnvolle Wahl.
Industrieunternehmen aus der Region. 400 Polo-Shirts, zweifarbiges Logo links auf der Brust, CI-konform in HKS-Farben gemischt. Das ist mittlerweile ein Wiederholungsauftrag, der jedes Jahr ungefähr im gleichen Zeitraum reinkommt – und genau das ist der angenehme Teil an Siebdruck: einmal eingerichtet, kann man auf die Daten zurückgreifen, das Sieb-Setup wiederholen und liefert im zweiten Jahr noch ein bisschen schneller.
Und wann ist Siebdruck einfach nicht das Richtige?
Damit der Beitrag auch dort ehrlich bleibt, wo es weh tut: Es gibt Aufträge, bei denen wir selbst vom Siebdruck abraten.
Wenn du unter 50 Stück brauchst, schicken wir dich zu ECOTransfer oder DTF – nicht weil wir kein Sieb belichten wollen, sondern weil sich der Aufwand für so wenige Stück nicht lohnt und du dann mehr für die Einrichtung als für die Shirts zahlen würdest. Bei fotorealistischen Motiven mit vielen Farbnuancen schlägt DTF oder, falls Polyester im Spiel ist, Sublimation den Siebdruck klar. Sehr kleine Schriften unter 6 pt sollte man im Siebdruck ohnehin nicht versuchen – wir empfehlen mindestens 8 pt, damit der Text auf dem Shirt auch lesbar bleibt.
Und der vielleicht häufigste Fall, in dem wir abraten: Wenn jemand 50 verschiedene Designs auf 100 Shirts gedruckt haben möchte. Da bedeutet jedes Motiv eine eigene Sieb-Einrichtung, und das wird unwirtschaftlich – egal wie gut die Maschine ist. Solche Aufträge laufen bei uns über DTF, da macht das mehr Sinn.
Wenn du anfragen willst, brauchen wir folgendes
Damit wir euch innerhalb von 24 Stunden ein belastbares Angebot schicken können, sind ein paar Eckdaten hilfreich. Idealerweise eure Druckdatei, am liebsten als Vektor (siehe oben). Den Textilwunsch – entweder ein konkretes Modell oder Mindestanforderungen wie 180 g/m², Bio, bestimmte Farbe. Die gewünschten Druckpositionen samt Druckgröße. Die Stückzahl mit Größenstaffelung. Und – das ist erstaunlich oft entscheidend – euren Wunschtermin für die Lieferung.
Wenn etwas davon fehlt, fragen wir natürlich nach. Die kostenlose Prüfung eurer Druckdatei läuft sowieso automatisch mit – auch wenn ihr noch unsicher seid, ob die Datei „passt“ oder nicht.
Häufige Fragen, kurz beantwortet
Ab wie vielen Stück lohnt sich Siebdruck bei PRISHIRT?
Unsere Mindestmenge im Siebdruck liegt bei 50 Stück. Bei ein- bis zweifarbigen Motiven ist das praktisch immer die wirtschaftlichste Wahl. Ab drei Farben rechnet sich das Verfahren stabil ab etwa 100 Stück. Darunter empfehlen wir ECOTransfer oder DTF.
Welche Farbsysteme nutzt ihr im Siebdruck?
Drei Stück: Plastisol als deckenden Standard, wasserbasierte Farben für weichen Griff und Bio-Textilien sowie Discharge (Ätzdruck) für besonders soft anmutende Drucke auf reaktiv gefärbter Baumwolle. Markenfarben nach Pantone oder HKS mischen wir nach Vorgabe.
Welche Maschine setzt ihr ein?
In der Liststraße in Karlsruhe steht eine M&R Sportsman 8/6 – ein industrielles Achtfarben-Karussell mit sechs Druckstationen. Damit drucken wir pro Stunde mehrere hundert Textilien passergenau durch.
Welche Druckvorlage braucht ihr?
Ideal ist eine Vektordatei (AI, EPS, PDF) mit jeder Druckfarbe auf einer eigenen Ebene, definierten Volltonfarben (Pantone oder HKS) und ohne Verläufe oder Transparenzen. Wer unsicher ist, schickt einfach die Datei – unsere Grafiker prüfen kostenlos.
Wie lange hält ein Siebdruck?
Bei korrekt ausgehärteter Farbe auf einem ordentlichen Textil – mindestens 180 g/m² Baumwolle – hält der Druck in der Regel so lange wie das Shirt selbst. Wir haben Kundenstücke aus 2018 gesehen, die nach geschätzt 200 Wäschen noch tadellos waren. Auf links waschen, maximal 40 °C, nicht in den Trockner – dann passt das.